Beinprothetik

BEINPROTHESEN

Für jeden Menschen ist eine Amputation ein erheblicher Eingriff in die körperliche Unversehrtheit. Durch eine Beinamputation, egal welcher Höhe, kommt es zu einer ungewollten Immobilität, die so schnell wie möglich behoben werden soll, um ein selbstständiges und möglichst beschwerdefreies Leben zu ermöglichen.

Eine Beinprothese hilft, Ihre Mobilität und Ihr äußeres Erscheinungsbild wiederherzustellen und aktiv am Alltag teilzunehmen. Sie gewinnen somit ein deutliches Mehr an Lebensqualität und Selbstständigkeit. Unser Ziel ist es, für Sie eine individuelle Lösung zu finden, die Ihren Ansprüchen und Problemen gerecht wird. Sowohl die funktionelle, als auch die kosmetische Gestaltung Ihrer Beinprothese hat für uns einen äußerst hohen Stellenwert!

Kostenübernahme
In der Regel werden sämtliche Kosten Ihrer Beinprothese von Ihrem Kostenträger übernommen. Die Abwicklung der Antrag stellung übernehmen wir für Sie! Nach der Genehmigung zur Kostenübernahme sind wir bemüht, Ihnen Ihre Beinprothese so schnell wie möglich anzufertigen. Auch Ihre Prothese unterliegt einem mechanischen Verschleiß! Lassen Sie diese daher regelmäßig kontrollieren. Eventuelle Mängel können dann schnell ohne großen Aufwand und für Sie kostenlos behoben werden.

Budgetierung von Prothesen

  • Zwischen Arznei- und Heilmitteln einerseits und Hilfsmitteln andererseits ist zu unterscheiden 
  • Eine Budgetierung für Hilfsmittel besteht nicht. 
  • Nach § 33 Absatz 1 SGB V haben Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung "Anspruch auf Versorgung mit […] orthopädischen und anderen Hilfsmitteln, die im Einzelfall erforderlich sind, um 
    • den Erfolg der Krankenbehandlung zu sichern, 
    • einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder 
    • eine Behinderung auszugleichen." 

Gesetzliche Zuzahlung durch Versicherte

  • Nach der Festlegung in § 33 Absatz 8 SGB V leisten Versicherte, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, zu jedem Hilfsmittel, das zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung abgegeben wird eine Zuzahlung. 
  • Die Höhe der Zuzahlung richtet sich nach § 61 SGB V und beträgt 10% des Abgabepreises, mindestens jedoch 5 EURO und höchstens 10 EURO; allerdings jeweils nicht mehr als die Kosten des Mittels.
  • Die Zuzahlungen sind jedoch nur bis zum Erreichen der Belastungsgrenze zu leisten.
  • Der Einzug der gesetzlichen Zuzahlung hat gemäß § 43b SGB V durch den Leistungserbringer zu erfolgen. Die eingezogene Zahlung ist mit dem Vergütungsanspruch des Leistungserbringers gegenüber der Krankenkasse zu verrechnen.

Das bedeutet, dass sich der Vergütungsanspruch des Leistungserbringers für das gelieferte Hilfsmittel gegenüber der Krankenkasse entsprechend um den Zuzahlungsbetrag verringert.

Amputationshöhen
Mit dem Begriff Amputationshöhe beschreibt man die Stelle, an der ein Körperteil amputiert wird. Neben anderen Faktoren entscheidet auch die Amputationshöhe über die jeweils geeignete Prothese. Die Amputationshöhe wird vor der Operation vom Arzt festgelegt und richtet sich nach dem Grund für die Amputation. Folgende Amputationshöhen werden in der Regel durchgeführt. 

Maßnahmen nach einer Amputation
Direkt nach der Beinamputation beginnt die Vorbereitung zur Prothesenversorgung. Folgende Maßnahmen dienen zur Verbesserung der Stumpfverhältnisse und helfen uns die Prothese zeitnah anzufertigen.

Auch Sie sollten dazu beitragen, Ihren Fortschritt zu fördern, um so schnell wie möglich Ihre gewohnte Mobilität und Selbstständigkeit wieder zu erlangen. Alle Maßnahmen sollten Sie aber grundsätzlich mit Ihrem behandelnden Arzt absprechen!

Stumpfformung
Das Gewebe des Stumpfes ist nach der Operation meist stark geschwollen. Aus diesem Grund sollte der Stumpf (wenn möglich Tag und Nacht) mit einem Kompressionsverband, einem Post-OP-Liner oder einem Kompressionsstumpfstrumpf versehen werden. Durch die Kompression wird das Gewebswasser verdrängt und das Volumen des Stumpfes nimmt ab. Dieser Prozess ist wichtig für die Anpassung der Prothese. Das Stumpfvolumen und damit die Passform der Prothese bleibt bei stetiger Kompression sehr viel länger erhalten.

Eine Stumpfkompression kann auf verschiedene Art und Weise durchgeführt werden:

Das Wickeln des Unterschenkelstumpfes
Um ein Anschwellen des Stumpfes zu verhindern ist es wichtig, diesen zu komprimieren. Das Wickeln ist eine hervorragende Art der Kompression, denn die elastische Binde kann an die jeweilige Stumpfform angepasst werden: Hierzu sind (je nach Länge und Umfang des Stumpfes) 2-3 dauerelastische Langzugbinden (10-12 cm) erforderlich. Bei der Wickeltechnik muss dringend darauf geachtet werden, ein Abschnüren des Stumpfes zu vermeiden, da hierbei schwerwiegende Komplikationen entstehen können! Lassen Sie sich das Wickeln vom Fachpersonal zeigen! Der Stumpf sollte in 8-förmigen Bindentouren von unten nach oben gewickelt werden. Weiterhin sollte der Druck vom Stumpfende nach oben hin abnehmen. Achten Sie beim Wickeln darauf, dass die Touren gleichmäßig decken und keine Falten und Freiräume entstehen.

Unterschenkelstumpf
Unterschenkelstumpf
Unterschenkelstumpf

Das Wickeln beim Oberschenkelstumpf
Legen Sie zwei oder drei Lagen über das Stumpfende. Wickeln Sie nun ein oder zwei Lagen zirkulär um Ihren Stumpf. Nun wird in spiraligen Touren aufwärts gewickelt. Die Kompression muss vom Stumpfende nach oben abnehmen! Wickeln Sie als Halterung zwei bis drei Touren um das Becken und lassen Sie diese außen kreuzen! Die letzten Lagen werden 8- förmig um den gestreckten Stumpf gewickelt!

Oberschenkelstumpf
Oberschenkelstumpf
Oberschenkelstumpf
Oberschenkelstumpf

Der Post-OP-Liner
Eine weitere Möglichkeit der Stumpfkompression wird über einen sogenannten Post-OP-Liner durchgeführt. Dieser Liner besteht meist aus Silicon und wird nach Ihren Maßen angepasst. Der Liner gibt durch seine geelartige Konsistenz einen gleichmäßigen Druck auf den Stumpf. Nimmt das Volumen des Stumpfes innerhalb weniger Tage ab, so muss ein kleinerer Liner angepasst werden, um eine optimale Stumpfformung zu erzielen.

Post-Op-Liner
Post-Op-Liner
Post-Op-Liner
Post-Op-Liner

Grundsätzliches zur Beinprothese

Sobald die Stumpfverhältnisse es zulassen, erfolgt die Versorgung mit der Beinprothese. Eine Beinprothese besteht im Wesentlichen aus einem Schaft zur Aufnahme des Stumpfes und den Prothesenbauteilen (Modularbauteile): einem Kniegelenk, einer Verbindungseinheit und dem Fußpassteil. Eine Schaumstoff kosmetik wird der Beinform individuell angeglichen und gibt der Prothese ein weitgehend natürliches Aussehen. Als Erstversorgung erhalten Sie eine sogenannte "Interims-Prothese" (vorübergehende Prothese). Da sich der Stumpf in der Frühphase und noch mehrere Monate nach der Amputation verändert, ist ein Nachpassen der Prothese während dieser Zeit häufiger erforderlich. Sobald das Stumpfvolumen stabil bleibt, wird eine "Definitiv-Prothese" angefertigt.

Prfothesenpassteile

Die Prothesenpassteile
Für die Auswahl der Prothesenbauteile sind verschiedene Kriterien wie z.B. Amputationshöhe, Stumpfgegebenheiten, körperliche Leistungsfähigkeiten und individuelle Funktions ansprüche des Patienten maßgeblich. Prothesen in "Modularbauweise" sind statisch gut zu korrigieren, da alle Gelenke und Adapter miteinander und mit dem Prothesenschaft verbunden sind. Die Möglichkeit, die Bauteile an Ihre persönliche Leistung anzupassen oder auszutauschen ist ein großer Vorteil der Modularbauweise, die aus diesem Grund heute zur modernen Versorgung in der Prothetik eingesetzt wird.

Bauteile folgender Hersteller kommen bei uns zum Einsatz: Otto BockÖssurMediUniproxTeufelFreedom InnovationsEndoliteStreifenederOrtho-Reha-Neuhof

 

Siliconliner

Silikonliner und Weichwandinnenschaft
Der Silikonliner wird direkt auf den Stumpf gerollt. Die individuelle Anpassung bietet eine optimale Haftung zwischen Haut und Liner, wodurch Hautirritationen durch Reibung vermieden werden. Über den Liner wird der Prothesenschaft entweder über einen Rasterstift oder einen Seilzug fixiert. Bei einer Prothese mit Weichwandinnenschaft umschließt dieser exakt den Stumpf und bietet individuell für alle Stumpfverhältnisse den passenden Komfort. Die Fixation der Prothese erfolgt über den knieumklammernden Prothesenschaft.

 

Prothesenschaft

Der Prothesenschaft
Wesentlich für die Qualität der Prothese ist der Prothesenschaft, da er die Verbindung zwischen dem Körper des Patienten und dem unteren Bauabschnitt der Prothese herstellt. Der Schaft und die Stumpfbettung werden für jede Prothesenart individuell nach Maß angefertigt und bieten somit eine optimale Passform. Dies ist die Grundvoraussetzung für die Führung der Prothese und einen komfortablen sicheren Gang. In den häufigsten Fällen einer Versorgung wird der Stumpf im Schaft über einen sogenannten Silikonliner oder Weichwandinnenschaft gebettet. Aktive Unterdrucksysteme (z. B. dasHarmony® System von Otto Bock) kommen meist im Bereich der Unterschenkelversorgung zum Einsatz.

 

Prothesenkniegelenk

Das Prothesenkniegelenk
Die Funktion mechanischer Prothesenkniegelenke ist für die Versorgung von besonderer Bedeutung. Welches Kniegelenk für Sie in Frage kommt, ist abhängig von Ihren individuellen Ansprüchen und ihrem Mobilitätsgrad. Die technischen Möglichkeiten, den Stand und Gang zu sichern, reichen vom sogenannten "gesperrten Prothesengelenk" über belastungsabhängige Bremsgelenke bis hin zu elektronisch gesteuerten Prothesengelenken. Um die Sturzgefahr zu minimieren, hat die Kniesicherheit im Stand und Gang immer Vorrang! Um sich an das Stehen und Gehen mit einer Beinprothese zu gewöhnen, wird in den meisten Fällen ein "gesperrtes" Kniegelenk verwendet! Als nächster Schritt kann ein bewegliches Kniegelenk in die Prothese gebaut werden. Der Vorteil hierbei liegt in der freien Beweglichkeit. Die Prothese kann nun, wie beim normalen Gehen, einfach nach vorne geschwungen werden.

 

Prothesenfuss

Der Prothesenfuß
Bei aller Technologie der übrigen Beinprothese kommt dem Prothesenfuß eine ganz zentrale Bedeutung zu. Die richtige Auswahl des Prothesenfußes ist entscheidend für die Sicherheit und Stabilität sowie den Tragekomfort. Einem Prothesenfuß werden verschiedene Leistungsmerkmale abverlangt. Der Fuß sollte Funktionalität und Beweglichkeit auf verschiedenen Untergründen besitzen und gleichzeitig den Energieaufwand beim Laufen so gering wie möglich halten. In der modernen Beinprothetik gibt es sehr viele verschiedene Fußmodelle, die für den jeweiligen Läufer passend zu seinem Mobilitätsgrad und individuellen Ansprüchen ausgewählt werden. Dabei besteht die Möglichkeit, energiespeichende, gelenklose Prothesenfüße und solche mit Knöchelgelenk einzusetzen.

Amputationshöhen und ihre prothetische Versorgung

Generell ist die Prothesenversorgung abhängig von der Amputationshöhe. Die häufigsten Amputationsarten mit einhergehender Prothesenversorgung stellen wir Ihnen im folgenden detailliert vor: 

 

Vorfussamputationsprothese

Die Vorfußamputationsprothese
Diese Prothese wird für die Versorgung nach Amputationen im Fußbereich eingesetzt. Bedingt durch die Stumpflänge können Passteile nur begrenzt eingesetzt werden. Die Prothese gibt Ihnen bessere Stabilität im Stand und ermöglicht Ihnen ein natürliches Abrollen im Gang. Als Schaftsysteme kommen der Silikon- sowie Weichwandinnenschaft zum Einsatz.

Unterschenkelprothese

Die Unterschenkelprothese
Diese Prothese wird für die Versorgung von Unterschenkelstümpfen unterschiedlicher Amputationshöhen eingesetzt. Der Prothesenschaft mit Stumpfbettung und der Prothesenfuß werden durch Adapter verschiedener Bauarten miteinander verbunden. Als Schaftsysteme kommen der Silikon- sowie Weichwandinnenschaft mit oder ohne aktive Unterdrucksysteme (z. B. das Harmony® System von Otto Bock) zum Einsatz.

Knieexartikulationsprothese

Die Knieexartikulationsprothese
Diese Prothese wird für die Versorgung nach einer Knieexartikulation eingesetzt. Hierbei ist das Stumpfende direkt belastbar, was zu einem erhöhten Tragekomfort beiträgt. Der Prothesen schaft mit Stumpfbettung, das Kniegelenk und der Prothesenfuß werden durch Adapter verschiedener Bauarten miteinander verbunden. Als Schaftsysteme kommen der Silikon- sowie Weichwandinnenschaft mit Außenschaft aus Carbonfaser zum Einsatz.

Oberschenkelprothese

Die Oberschenkelprothese
Diese Prothese wird für die Versorgung von Oberschenkelstümpfen unterschiedlicher Amputationshöhen eingesetzt. Der Prothesen schaft mit Stumpfbettung, das Kniegelenk und der Prothesenfuß werden durch Adapter verschiedener Bauarten miteinander verbunden. Als Schaftsysteme kommen der Silikonliner sowie der Haftkontaktschaft zum Einsatz. Schaftformen wie Queroval, Längsoval,oder MAS-Schaft finden hier ihre Anwendung. Häufig wird der Außenschaft in einer sogenannten Rahmenkonstruktion hergestellt.

Hüftexprothese

Die Hüftexartikulationsprothese
Diese Prothese wird für die Versorgung nach Hüftexartikulationen und Hemipelvektomien eingesetzt. Der individuell angefertigte Beckenkorb dient als Stumpfbettung. Das Hüftgelenk, Kniegelenk und der Prothesenfuß werden über Adapter unterschiedlicher Bauart miteinander und dem Beckenkorb verbunden. Als Schaftsysteme kommen der Beckenkorb, der Silikoninnenschaft sowie der Beckenkorbkontaktschaft zum Einsatz.

Einstufung des Aktivitätsgrades/ Mobilitätsklassen

Bei dieser Einteilung kann sich der Orthopädietechniker beim Bau einer Prothese sowohl am Passteil, als auch an den Bedürfnissen des jeweiligen Prothesenträgers orientieren. Bei der Einteilung in die Mobilitätsklassen berücksichtigen wir viele verschiedene Faktoren wie:

  • Ihr Allgemeinbefinden
  • Individuelle Stumpfbesonderheiten
  • Eventuelle Begleiterkrankungen
  • Schmerzen

Bedenken Sie immer, dass nur der gegenwärtige Ist-Zustand Ihrer Mobilität beurteilt werden kann.

Mobilitätsklasse 1: "Innenbereichsgeher"
Sie besitzen die Fähigkeit oder das Potential, Ihre Beinprothese auf ebenen Böden und vor allem im häuslichen Umfeld mit geringer Geschwindigkeit zu benutzen. Aufgrund Ihres Allgemeinbefindens können Sie kurze Strecken am Stück gehen.

Die Prothese als Therapie: Sie sollten mit Ihrer Prothese sicher stehen können und mit der Prothese in Innenbereichen kleinere Strecken von kurzer Dauer zurücklegen können.

Mobilitätsklasse 2: "Eingeschränkter Außenbereichsgeher"
Sie besitzen sie Fähigkeit oder das Potential, mit Ihrer Prothese in geringer Geschwindigkeit zu gehen. Kleinere Hindernisse, wie zum Beispiel Bordsteine, einzelne Stufen oder unebene Böden können Sie meistern. Gehdauer und Gehstrecke sind aufgrund Ihres Zustandes begrenzt.

Die Prothese als Therapie: Kleinere Strecken von kurzer Dauer können Sie sowohl im Innen- als auch im Außenbereich sicher zurücklegen.

Mobilitätsklasse 3: "Uneingeschränkter Außenbereichsgeher"
Sie besitzen die Fähigkeit oder das Potential, mit Ihrer Prothese in einer mittleren bis hohen Geschwindigkeit zu gehen. Dabei können Sie die Geschwindigkeit auch variieren. Die meisten Umwelthindernisse sind kein Problem für Sie. Sie können sich auch im freien Gelände, wie zum Beispiel in der Natur, leicht fortbewegen. Die Belastung auf die Prothese bleibt durchschnittlich. Gehstrecken und Gehdauer unterscheiden sich kaum von der eines Nicht-Amputierten.

Die Prothese als Therapie: Sowohl draußen als auch drinnen unterscheidet sich Ihre Mobilität nur unwesentlich von einem Nicht-Amputierten.

Mobilitätsklasse 4: "Uneingeschränkter Außenbereichsgeher mit besonders hohen Ansprüchen"
Sie können alles, was unter Mobilitätsklasse 3 beschrieben ist. Zusätzlich haben Sie hohe Anforderungen an Ihre Prothese, da diese oft hohen Stoßbelastungen ausgesetzt ist. Sie können sich ohne Einschränkung von Strecke oder Dauer fortbewegen.

Die Prothese als Therapie: Die Wiederherstellung der unlimitierten Gehfähigkeit sowohl im Innen- als auch im Außenbereich.

Stumpfpflege

Wie Sie Ihren Stumpf richtig pflegen, zeigt Ihnen Ihr Therapeut. Waschen Sie den Stumpf abends und morgens mit warmem Wasser und einer milden Seife. Anschließend trocknen Sie die Haut gut ab oder tupfen sie sorgfältig trocken.

Sollten sich am Stumpf Hautfalten oder eingezogene Narben gebildet haben, müssen diese besonders intensiv gepflegt werden, um Infektionen zu verhindern. Achten Sie während der Stumpfpflege außerdem auf Hautverletzungen, Druckstellen und Hautblasen. Ein Spiegel kann Ihnen dabei helfen, auch die Rückseite Ihres Stumpfes zu betrachten. 
Pflegeprodukte (medi)

Stumpfabhärtung

Die Stumpfabhärtung ist wichtig, um die Sensibilität Ihrer Haut an Druck und Berührung zu gewöhnen. Das Laufen mit einer Prothese ist zu Beginn eine Umstellung für die Haut und die Muskulatur. Daher ist es wichtig, den Stumpf darauf vorzubereiten, um mögliche Druckschmerzen und Empfindlichkeiten der Haut zu vermeiden. Achten Sie darauf, dass Sie erst mit der Stumpfabhärtung beginnen, wenn keine Entzündungszeichen wie Rötung, Schwellungen, Schmerzen und Wärme mehr vorhanden sind und die Narbe gut geschlossen ist. Fragen Sie zur Sicherheit hierzu Ihren Arzt. Benutzen Sie verschiedene Materialien, um die Stumpfhaut zu reizen.

Stumpfabhaertung

Phantomgefühl / Phantomschmerzen

Unter dem Begriff Phantomgefühl versteht man eine Gliedmaßentäuschung. Das fehlende Gliedmaß wird als noch vorhanden wahrgenommen. Besonders in der Frühphase nach der Amputation hat eine Umstellung des Körperbewußtseins noch nicht stattgefunden, was in unbedachten Situationen nicht vorhersehbare Folgen haben kann. Ein nächtlicher Gang zur Toilette z.B. kann dann leicht zum Sturz führen! Phantomschmerzen treten nicht immer, aber häufig gemeinsam mit Stumpfschmerzen auf. Ursachen hierfür können Wundheilungsstörungen, sowie Irritationen des Nervensystems sein! Eine Linderung der Schmerzen erfolgt u.a. durch das konsequente Wickeln des Stumpfes, aber auch durch das häufige Tragen der Prothese. Eine Stumpfabhärtung über Eisabreibungen etc. kann zur Verminderung des Phantomgefühls und des Schmerzes beitragen.

Die Reinigung der Prothese

Die richtige Pflege ist für eine optimale Nutzung Ihrer Beinprothese unumgänglich. Bei einer unzureichenden Pflege der Prothese und des Stumpfes kann dies zu Hautreizungen, Allergien und zu vorzeitigem Verschleiß des Hilfsmittels führen. Wie bei Ihrer Kleidung bedarf es auch bei der Prothese einer regelmäßigen Reinigung. Hiermit beugen Sie auch unangenehmen Gerüchen vor. Den Prothesenschaft, egal aus welchem Kunststoffmaterial, können Sie nach Bedarf mit einem milden, möglichst ph-neutralem (5,5) Reinigungsmittel und einem feuchten Tuch auswischen! Reinigungsmittel, sowie sämtliche Stumpfpflegemittel erhalten Sie natürlich auch direkt in unserem Hause.

Sport nach einer Beinamputation

Sportlicher Betätigung steht auch nach einer Amputation nichts im Wege! Einen guten Einstieg in den Sport bietet z.B. das Nordic Walking! Hierbei haben Sie Walkingstöcke in den Händen, die Ihnen zunächst die nötige Sicherheit im freien Gelände geben können.

Das Radfahren

Hierbei gibt es bei einer Unterschenkelprothese kaum Probleme. Bei einer Oberschenkel- Amputation, sowie bei Knie-Ex-Amputationen sind nicht selten eine Rückholfeder und ein ruhendes Pedal erforderlich. Durch einen Sattelumbau kann man auch dem Patienten mit beweglichem Kniegelenk das Radfahren ermöglichen! Sie haben die Möglichkeit sich einem Versehrten-Sportverein anzuschließen. Hier werden Sportarten unter Berück sichtigung Ihrer Behinderung betrieben und Sie haben die Gewähr, unter fachlicher Anleitung zu trainieren. Adressen erhalten Sie auf Anfrage bei uns.

Auto fahren nach einer Beinamputation

Hierbei gibt es Folgendes zu beachten: War bereits ein Führerschein vorhanden, muss die Behinderung der Fahrerlaubnisbehörde gemeldet werden. Diese entscheidet, ob ein Fachärztliches Gutachten erforderlich ist. Auf Basis des Fachärztlichen Gutachtens erstellt ein Sachverständiger des TÜVs ein Eignungsgutachten. Aus diesem ergibt sich, ob evtl. Umbauten am Fahrzeug notwendig sind und gegebenenfalls eine Fahrprobe stattfinden muss. Was finanzielle Hilfen, Unterstützungen und Zuschüsse angeht, müssen diese unbedingt vorher beantragt werden. Wird im Vorfeld etwas unternommen, erfolgt in der Regel keine Erstattung mehr.

Selbsthilfegruppen

Amputationen sind harte Schicksalsschläge. Gut, dass es Menschen gibt, die sich für die Belange der Betroffenen einsetzen. Diese helfen, beraten und informieren Betroffene und deren Angehörige vor und nach einer Amputation. Hier erhalten Sie Unterstützung bei der Durchsetzung Ihrer Ansprüche und bieten Ihnen ein Forum zum Erfahrungsaustausch.

Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. (BSK)
www.bsk-ev.org

Informationen rund um das Leben mit Beinprothese:
www.myhandicap.de
www.leben-mit-beinprothese.de

Selbsthilfegruppen deutschlandweit:
www.stolperstein.com